Aufzug
1998, Städtische Galerie im Museum Folkwang, Essen
1999, "Metaformen", Kunsthalle Düsseldorf

Destruieren - Konstruieren

"Der Aufzug" von Stefan Sous Ein Aufzug ist per se kein ästhetisches Gebilde, als vielmehr ein rein funktio- nales Fortbewegungs- und Transportmittel. Aufzüge moderner Bürogebäude präsentieren sich heute überwiegend als gleitende Vitrinen aus modischem Design. Es sind gläserene Chassis, in denen die Menschen in Kaufhäusern oder Bürogebäuden lautlos empor- und hinabgleiten. Glänzende Drahtseile, abgerundete Kanten, sanfte Signaltöne, die das erreichte Stockwerk ankündi- gen, gehören heute zum Erscheinungsbild solcher moderner Fahrkabinen. Stefan Sous' Aufzug hingegen stammt aus einer Zeit, in der Fahrstühle an entlegenen Orten im Flurbereich von Hochhäusern hinter Mauerwerk versteckt, eingebaut waren. Sie hatten eine ausschließlich zweckgebundene Aufgabe. Noch zu Ende der siebziger Jahre wäre das Offenlegen einer ästhetisierten Mechanik, wie sie heute vielerorts anzutreffen ist, undenkbar gewesen. Stefan Sous hat einen Aufzug dieser "alten" Generation in sämtliche Einzelteile zerlegt und neu zusammengefügt.

Einer "Explosionszeichnung" vergleichbar, wie man sie aus technischen Handbüchern kennt, werden die einzelnen Konstruktionselemente neben- und übereinander plaziert, wobei die ursprüng- liche Form bewahrt bleibt. Ähnlich den Anleitungsskizzen eines Bausatzes, präsentiert sich Sous' Aufzug, bei dem die Trennug von innen und außen auf- gehoben und gleichzeitig ineinander verschmolzen scheint. Jede Schraube und jede Strebe ist frei gelegt, von allen Seiten sichtbar und sorgfältig aufgefädelt, so daß ein raumgreifender, mechanischer Körper entsteht. Der Künstler fügt sich einer konkreten Logik und erreicht damit einen Schwebezustand seiner Konstruktion, in der die Ordnung dazu führt, daß seine Objekte in der Luft "stehen". Aus der Art der Präsentation, zudem in einem Museum, ergibt sich ein skulpturaler Körper, der eine Wertigkeit erfährt, die ohne Sous' Montage nicht existieren würde. Sein Konstrukt schwebt im freien Raum und fordert vom Betrachter die unterschiedlichsten Ansichten und Blickpositionen. Die Perspektiven verschieben sich, Durch- und Einblicke er- weitern unsere Wahrnehmung. So schafft Stefan Sous ein Gebilde, das eine eigenständige Position zwischen Skulptur, Architektur und Rauminstallation einnimmt.

Rupert Pfab, Metaformen, 1999, Kunsthalle Düsseldorf

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